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Wie ich fast 35kg verlor und warum Abnehmen im Kopf beginnt.

Ich war schon immer das "fette Kind". Schon immer? Nun, nicht ganz. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr war ich das, was allgemein als “Spargeltarzan” bezeichnet wird. Oder heute als Lauch bezeichnet werden würde. Allerdings habe ich es dann in einem halben Jahr geschafft mein Gewicht von 21kg auf 42kg zu verdoppeln. Wie und warum kann ich nicht sagen. Der Auslöser war jedenfalls meine Mandel-OP. Nachdem meine Mandeln entfernt wurden konnte ich entsprechend der Halsschmerzen knapp eine Woche lang nicht richtig essen. Aber hey, immerhin gab es deshalb öfter mal ein Eis für mich. Wer würde sich darüber nicht freuen? Danach habe ich, laut meinen Eltern — ich selbst kann mich da nicht wirklich dran erinnern — weitaus mehr gegessen als vorher.

In den darauffolgenden Jahren habe ich natürlich noch weiter zugelegt. Ich erinnere mich daran, dass ich mit 10 Jahren stolze 54kg auf die Waage brachte. Ich machte nie gerne Sport, konnte mich auch von meinen Eltern nicht dazu überreden lassen und verbrachte meine Nachmittage eher mit Lesen, Süßigkeiten und natürlich Videospielen (PlayStation 1, PlayStation 2, Gameboy Color und Gameboy Advance SP waren meine besten Freunde). Die Tatsache, dass meine Eltern ein Restaurant hatten und es dort natürlich immer sehr leckeres, aber vielleicht nicht immer besonders gesundes Essen gab, macht die ganzen Umstände natürlich nicht besser.

Ich habe natürlich zwischenzeitlich immer wieder Versuche gestartet Sport zu machen, abzunehmen, etwaige Diäten probiert, aber es hat nichts funktioniert. Spoiler-Alert: Diäten funktionieren generell nicht! Aber dazu später mehr. Vereinssport kam für mich nicht in Frage, der Schulsport war schon Quälerei genug für mich und es gab einfach keine Sportart, die mir wirklich Spaß machte. Ich habe viele Dinge ausprobiert. Darunter Gewichtheben, Gehen/Laufen, Sit-Ups, oder auch wie von meiner damaligen Kinderärztin empfohlen: Rudern. Nein, ich bin keinem Ruderclub beigetreten, denn in der Nähe gab es nichts dergleichen und wie bereits gesagt bin ich nicht der Typ für Vereinssport. Meine Eltern kauften also eine Rudermaschine für 200€, die ich zwar eine Zeit lang nutzte, letztendlich aber doch irgendwann nur noch als Staubfänger diente. Wir halten fest: Martin mag keinen Sport!

Wir spulen mal ein paar Jahre vor. Es ist 2012, ich bin 18 Jahre alt, 1,83m groß und wiege in etwa 107kg. Ich habe zwischendurch immer mal wieder versucht irgendwelche Diäten zu machen, jedoch immer recht schnell wieder aufgegeben, denn ich wollte nicht auf die ganzen Süßigkeiten und ähnliches verzichten. Sport war weiterhin ein Fremdwort für mich. Ich kam damit soweit gut klar, und irgendwann wurde es mir zumindest zeitweilig egal. So egal, dass ich natürlich weiterhin an Gewicht zunahm. Meinen Höhepunkt in Sachen Körpergewicht erreichte ich zwischen Mitte und Ende 2014, als ich ca. 120kg Kampfgewicht an den Start brachte. Ich machte — wie schon so oft in den vorherigen Jahren — Neujahrsvorsätze für 2015 und einer der wichtigsten Punkte dabei war natürlich abzunehmen. Nur diesmal sollte es anders werden.

Ein Freund, welcher noch ein paar Kilos mehr als ich auf die Waage brachte und ebenfalls abnehmen wollte, erzählte mir von einer App namens "Noom" und deren Konzept, dass man abnehmen könne und nicht auf Essen verzichten müsse. Ich installierte die App, richtete sie ein, schaute sie mir an und war begeistert. Die App basiert auf dem Prinzip der Kaloriendichte und teilt Lebensmittel nach dem Ampelprinzip in rote, gelbe und grüne Lebensmittel ein. Grob zusammengefasst bedeutet das: iss viele grüne Lebensmittel, mäßig viele gelbe Lebensmittel und möglichst wenig rote Lebensmittel. Denn es sind nicht die Kalorien, die dich satt machen, sondern die Menge an Essen.

Ich startete also in der zweiten Januarwoche 2015 und erzielte relativ schnell Fortschritte. Was diesmal den Unterschied machte? Nun, es kamen einige Faktoren zusammen. Zum einen war da mein Kumpel Nico, welcher ebenfalls abnehmen wollte und mit welchem ich mich ständig austauschen konnte. Wir telefonierten regelmäßig (er lebt quasi am anderen Ende von Deutschland), motivierten uns, erzählten uns von unseren Fortschritten, Erfolgen und Misserfolgen und tauschten Rezeptideen aus. Dann gab es da noch die App. Die App überzeugte mich so sehr, dass ich mich schnell dazu entschloss die Premiumversion zu kaufen. Einerseits um auf die weiteren Funktionen zugreifen zu können, andererseits um das ausgegebene Geld als zusätzliche Motivation zu nutzen.

Die App diente nicht nur als Ernährungstagebuch und Kaloriencoach. Nein, sie brachte noch viele weiter Vorteile mit sich. Sie lehrte mich Dinge über Ernährung, über Lebensmittel, über Nährstoffe, brachte Rezepte mit, gab Denkanstöße, empfahl die unterschiedlichsten Sportmöglichkeiten und so weiter. Schnell sammelte ich so vieles an Wissen, was mir dabei half Dinge zu begreifen und auch zu verstehen, warum Diäten nicht funktionieren, warum es den sogenannten Jo-Jo-Effekt gibt und was die Ursache für diesen ist.

Ich probierte viele der Rezepte aus und erzielte Erfolge, obwohl ich eigentlich kaum Sport machte, außer ab und zu ein bisschen spazieren zu gehen. Dass Spazierengehen eine Menge ausmachen kann, werde ich noch in einem separaten Blogartikel abhandeln. So schaffte ich es über einen Zeitraum von etwa 6 Monaten mein Gewicht von anfänglich 120kg auf 102kg zu reduzieren. Mein Ziel "endlich zweistellig" schien in greifbarer Nähe. Doch es kam, wie es kommen musste, ich wurde wieder faul, aß mehr und ungesünder. So ließ ich das Thema wieder für eine Weile schleifen und war nach ungefähr einem weiteren halben Jahr zurück bei etwa 112kg. Ich nahm also wieder 10kg zu, nachdem ich fast 18kg verlor.

Zwischenzeitlich begann ich dann Vollzeit zu arbeiten und hatte vermehrt mit psychischen Problemen zu kämpfen, wodurch das Thema Ernährung und Abnehmen für mich wieder in den Hintergrund rückte. Da ich allerdings täglich zu Fuß zur Arbeit und wieder nachhause ging, schaffte ich es, ohne speziell etwas dafür zu tun mein Gewicht wieder auf knapp 108kg zu reduzieren. Ich ging zwar unregelmäßig schwimmen um wenigstens ein Minimum an zusätzlicher Bewegung zu haben, jedoch war ich nach knapp 20 Bahnen à 25 Meter, für welche ich gut und gerne 30 bis 40 Minuten brauchte total erschöpft. Als ich Ende 2017 meinen Job wechselte und sah, dass sich in der Nähe meines Arbeitsplatzes ein Schwimmbad befand, fasste ich den Entschluss wöchentlich schwimmen zu gehen. Mein Ziel waren 40 Bahnen und die schaffte ich auch bereits nach wenigen Wochen. Es fiel anfangs natürlich extrem schwer, aber mit der Zeit wurde es leichter. Ich setzte ein für mich utopisches Ziel: bis Ende des Jahres 80 Bahnen schwimmen können.

Während dieser Zeit hatte ich noch diverse andere private Dinge zu erledigen, welche viel Stress bedeuteten — Stichwort: Hauskauf und Umzug, gemeinsam mit meinen Eltern. Nachdem das Ende April/Mai alles über die Bühne war und mein Urlaub bevorstand, fasste ich erneut den Entschluss, dass ich in meinem Urlaub damit Beginnen möchte meine Ernährung umzustellen und den Kilos den Kampf anzusagen.

Ich war motiviert, wie noch nie zuvor und begann bereits eine Woche vor meinem Urlaub täglich Sport zu machen (Kraftsport), gesünder und kontrollierter zu essen und erzielte sehr schnell Ergebnisse. Mein Anfangsgewicht von 108kg reduzierte ich in 2 Wochen auf 103kg und aus einem mir unerfindlichen Grund passten mir plötzlich T-Shirts in Größe L! Durch diesen weiteren Motivationsschub strengte ich mich noch mehr an um mein Ziel zu erreichen. So ging ich nach meinem Urlaub dann zweimal wöchentlich schwimmen und schaffte bald problemlos 60 Bahnen und bereits wenigen Wochen später die von mir angestrebten 80 Bahnen.

Am 06.07.2018 erreichte ich mein erstes Zwischenziel: Unter 100kg! Das spornte mich nur noch mehr an. Ab August ging ich dreimal pro Woche Schwimmen, schaffte bald sogar 120 Bahnen in unter 2 Stunden reduzierte mein Gewicht weiter. Meine Bilanz Ende 2018 waren ca. 89kg. Ich nahm mir über den Dezember eine Auszeit um alle möglichen Weihnachtsleckereien genießen zu können. Das resultierte darin, dass ich Anfang Januar 2019 wieder auf 92kg war, aber das machte mir nichts aus, denn solche kleinen Schwankungen gehören dazu und diese sollte man auch ruhigen Gewissens akzeptieren und tolerieren.

Zu Beginn dieses Jahrs ging es mir leider erneut psychisch sehr schlecht, weshalb es mir lange an Motivation fehlte wieder richtig durchzustarten. Doch Anfang März legte ich wieder los und fokussierte mich auf Muskelaufbau mit Kraftsport und Fettverbrennung mit HIIT-Training (High Intensity Interval Training). Ich erzielte wieder gute Resultate und konnte mein Gewicht dadurch nochmals um ca. 6kg reduzieren. Dadurch bringe ich aktuell 86kg auf die Waage, habe jedoch nicht nur einiges an Fett verloren, sondern durch den vermehrten Kraftsport auch eine gute Portion Muskelmasse aufgebaut.

Mein Endziel ist jedoch nicht erreicht, denn noch habe ich laut Definition leichtes Übergewicht. Mindestens weitere 6kg Körperfett möchte ich noch verlieren und ich gebe auch nicht auf! Obwohl ich aktuell nicht so aktiv bin, schaffe ich es mein Gewicht zu halten und werde auch bald wieder mehr Gas geben und weitermachen.

All das hätte ich natürlich nicht ohne das nötige Wissen geschafft, denn wie der Titel dieses Beitrags schon besagt beginnt Abnehmen im Kopf. Einen Großteil meines Wissens über Ernährung konnte ich mir über die bereits zuvor erwähnte App “Noom” aneignen. Mein Wissen über Muskelaufbau, Fettverbrennung und vieles mehr habe ich mir durch den Blog Marathon Fitness, sowie den YouTube Channel des Master of Science in Physiotherapie und Certified Strength and Conditioning Specialist Jeff Cavaliere, Athlean-X angeeignet. Ich kann euch diese Ressourcen nur wärmstens empfehlen, denn die beiden können das Wissen deutlich besser vermitteln, als ich.

Abschließend möchte ich euch mit auf den Weg geben, sofern ihr auch abnehmen möchtet, dass ich fest davon überzeugt bin, dass ihr es schaffen könnt. Ich hätte nie geglaubt, dass ich das alles, was ich bisher bereits geschafft habe hätte schaffen können und wenn ich es geschafft habe, dann schafft es jeder, der den Willen dazu hat.